VEGVISIR

Seemeile

Veg•ví•sir

[Wekveːseːr]

(isländisch für Wegweiser, "Das den Weg Zeigende")

Substantiv, maskulin [der]

Ist ein Symbol, das aus der isländischen Zaubertradition der Galdrastafir stammt.
Als Symbol findet er sich mit einer konkreten Darstellung im Huld Manuskript aus dem 19. Jahrhundert.
Dort heißt es: „Wenn jenes Symbol geführt wird, soll der Träger weder bei Sturm noch Wind verloren gehen, selbst wenn der vor ihm liegende Weg unbekannt ist“.

Der häufig gebrauchte Name „Wikinger-Kompass“ ist irreführend. Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Zeichen zur Zeit der Wikinger überhaupt bekannt war.
Das Huld-Manuskript wurde um 1860 und somit weit nach dem Ende der Wikingerzeit (1066 nach unserer Zeitrechnung) verfasst. Bisher gibt es keinerlei Belege für einen Gebrauch dieses Zeichens vor 1600.
Das heißt, eine Verwendung davor oder gar eine wikingerzeitliche Verwendung ist unwahrscheinlich, wenn auch natürlich nie ganz auszuschließen.
Einige Forscher nehmen an, dass sich das Zeichen erst später entwickelt hat und unter dem Einfluss westlicher (mediterraner) Zaubertraditionen stand. Dieser Einfluss ist auch bei anderen isländischen Zauberzeichen zu beobachten.

Eine neuheidnische (neopagane) Interpretation des Zeichens lautet wie folgt: Um ein Zentrum werden sternförmig acht Richtungen dargestellt. Zusammen mit der Mitte sollen die acht Strahlen die neun Welten der nordischen Mythologie repräsentieren:

Oberwelt: Wanenheim, Asgard, Albenheim
Erde: Jötunheim, Midgard, Muspellsheim
Unterwelt: Schwarzalbenheim, Helheim, Niflheim

Dabei orientiert sich diese neuzeitliche Interpretation an einer Analogie zum Weltenbaum Yggdrasil.

Jüngere Darstellungen zeigen die Mitte mit einem leeren Kreis. Die ursprüngliche Darstellung soll quadratisch gewesen sein. Es finden sich auch Interpretationen als kreisförmiges Symbol.