JOLLYROGER

Jol•ly•Ro•ger
[ˌdʒɒli ˈɹɒdʒə]
Substantiv, maskulin [der]
Schwarze Flagge: ein Totenkopf, darunter zwei gekreuzte Knochen; die bekannte Flagge des Piraten Edward England
Der Jolly Roger oder „die Piratenflagge“, häufig auch Totenkopfflagge, ist die schwarze Flagge von Piratenschiffen.
Sie wird, in Anlehnung an den britischen Union Jack, auch Black Jack genannt.
Der Ursprung des Namens Jolly Roger ist unbekannt. Einige sind der Ansicht, er sei eine Verballhornung des indischen Piraten Ali Rajah, dessen Namen die Briten Olly Roger aussprachen; möglicherweise stammt er aber auch vom französischen joli rouge (hübsches Rot) ab, da die ersten Piraten eine blutrote Flagge hissten als Zeichen, dass sie alle töten würden, falls sich die Besatzung des Beuteschiffes nicht sofort ergeben sollte.
Angeblich soll Calico Jack Rackham erstmals eine Schwarze Flagge mit Totenschädel benutzt haben (Variante mit gekreuzten Entermessern), doch dies ist nicht gesichert. Das klassische Motiv des Jolly Roger, ein Totenschädel mit zwei gekreuzten Knochen, wurde erstmals von dem bretonischen Piraten Emanuel Wynne um 1700 verwendet.
Die Flagge Henry Everys, der 1696 zum letzten Mal segelte, wird mit einem Totenkopf im Profil, mit Bandana und Ohrring, über gekreuzten Knochen dargestellt. Allerdings sind weder ein Totenkopf im Profil noch Bandana oder Ohrring sonst auf Flaggen oder sonstigen heraldischen Symbolen der damaligen Zeit zu finden. Und obwohl Ohrringe, insbesondere aus Gold, bei Seeleuten nicht unüblich waren (der Träger hoffte, dass man ihm von dem Erlös des Ohrrings ein christliches Begräbnis bezahlen würde), so wurden Bandana und Ohrring doch wohl erst im späten 19. Jahrhundert zu beliebten Details von künstlerischen Piratendarstellungen, angefangen mit den illustrierten Erzählungen Howard Pyles (1853–1911).
Auf „Blackbeard“ Edward Thatchs Flagge ist ein Skelett, das eine Sanduhr und einen Speer in den Händen hält, und daneben ein blutendes Herz abgebildet. Dies soll bedeuten, dass die Seele nun dem Tod (Skelett) gehört. Die Sanduhr soll den Opfern zeigen, dass ihre Zeit abgelaufen ist.
Der Speer verspricht ein schnelles Ende, das blutende Herz einen besonders grausamen/schmerzhaften Tod.
Der Schädel mit den gekreuzten Knochen und die Sanduhr waren – aus älteren Vanitas- und Memento-Mori-Darstellungen übernommene – weit verbreitete Motive auf Friedhöfen.
Ein Beleg findet sich in dem Graphikzyklus „The four stages of cruelty“ von William Hogarth, erschienen im Jahre 1751: Auf dem dritten Bild findet sich das Totenkopfmotiv mit den gekreuzten Knochen, das ein Grab schmückt.
1724 wurde Jolly Roger erstmals in Captain Charles Johnsons biografische Sammlung A General History of the Pyrates erwähnt.
Weltweit existieren noch zwei authentische Exemplare eines klassischen Jolly Roger mit Totenschädel und zwei gekreuzten Knochen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eines befindet sich im Seefahrtsmuseum der Åland-Inseln (Ålands Sjöfartsmuseum) in Mariehamn, das andere in Portsmouth im National Museum of the Royal Navy.
